18.03.2019 Montag  „Lebensrettungs-Award“ für ehrenamtliche Einsatzkräfte verliehen

Im Landtag wurden sieben ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Essen, St. Augustin, Duisburg, Geldern und Neuss für besondere Leistungen im Einsatz ausgezeichnet. Die Preisübergabe übernahmen die Vizepräsidentin des Landtags NRW, Carina Gödecke, und Reiner Wiedenbrück, Präsident des Landesverbandes Nordrhein der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

 Am 12. März wurden im Raum Rheinland des Landtags NRW insgesamt sieben Personen mit dem „Lebensrettungs-Award“ ausgezeichnet. Der Preis wurde zum ersten Mal vom DLRG-Landesverbandes (LV) Nordrhein verliehen und soll die besonderen Leistungen von Einsatzkräften der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im LV ehren. Diese reichen von tatsächlichen Rettungen aus Lebensgefahr bis hin zu Verdiensten innerhalb der DLRG insbesondere im Einsatzbereich.

Reiner Wiedenbrück, Präsident der DLRG im Landesverband Nordrhein, begrüßte rund 30 Anwesende und erläuterte kurz den Hintergrund des Awards. „Mit dem Preis wollen wir, meine Vizepräsidenten Stefan Albrecht, Volker Günther und Axel Warden und ich – signalisieren, dass wir sehr wohl das Engagement und die Leistungen vor Ort sehr wohl wahrnehmen. Außerdem ist es so, dass das geleistete auch in den DLRG-Gliederungen und bei den ehrenamtlichen Helfern selbst gar nicht als so herausragend beurteilt werden. Da heißt es dann oft: ‚Das ist doch normal, das ist doch keiner besonderen Erwähnung wert.‘ Aber das ist eben nicht so und wir sind froh, dass wir mit der Firma Seiko einen interessanten Partner für diese Lebensrettungs-Award und mit dem Landtag auch einen würdigen Rahmen für die Verleihung gefunden haben.“ Der „Lebensrettungs-Award“ wird vom Präsidenten und den Vizepräsidenten des Landesverbandes als persönliche Würdigung in den Kategorien Wasserrettungsdienst/Katastrophenschutz, Tauchen und Jugend-Einsatz-Teams (JET) vergeben.

Nach einem kurzen Film über das Einsatzwesen übernahm Carina Gödecke, die die Ziele der DLRG ausdrücklich unterstützt und dem Verband schon lange freundschaftlich verbunden ist, die Ehrungen. Zunächst zeichnete die Landtags-Vizepräsidentin Andreas Wagener (Essen) und Thomas Tscheuschner (Neuss) für Rettungen aus Lebensgefahr aus. Danach wurden Rolf Zieschang (Duisburg), Raphael Eck (Essen), Christian van de Laak (Geldern) sowie Britta und Frank Bucher (Sankt Augustin) für ihre Verdienste im Einsatzwesen geehrt. Alle erhielten zur Urkunde auch eine hochwertige Seiko-Taucheruhr, die sie dank ihrer Robustheit in Zukunft auch im Einsatzfall über wie unter Wasser tragen können. Um seine Unterstützung und Begeisterung für die DLRG und ihre ehrenamtlichen Helfer auszudrücken, sponserte das Willicher Unternehmen die Preise für den Lebensretter Award. „Die DLRG und uns verbindet die Liebe zum Wasser“, sagt Seiko-Geschäftsführer Frank Deckert. „Ich habe absolute Hochachtung vor der Leistung der ehrenamtlichen Kräfte in der DLRG. Bei der Lebensrettung zählt jede Sekunde und das oftmals unter Einsatz und Gefährdung des eigenen Lebens. Dieses selbstlose Verhalten kann gar nicht genug gewürdigt werden und deshalb überreichen wir sehr gerne als Zeichen der Anerkennung diese Präzisions-Taucheruhren aus unserer Prospex-Reihe.“

Informationen zu den Preisträgern:

Andreas Wagener, Essen

Bei einem bezirksübergreifenden Tauch-Arbeitseinsatz in Haltern am See konnte der Einsatztaucher, Taucheinsatzführer und Lehrtaucher Andreas Wagener aus Essen einem Kameraden durch beherztes Eingreifen unter Wasser das Leben retten.

Im März 2012 musste in Haltern am See die Befestigung eines Schwimmsteges kontrolliert und dokumentiert werden. Die Sucharbeiten vor Ort erwiesen sich schwieriger als erwartet: Die schweren Ketten waren so tief eingesunken, dass sie nur Zentimeter für Zentimeter aus dem Schlamm gehoben werden konnten. Zur Beschleunigung der Suche wurden deshalb zwei Tauchstellen eingerichtet, um parallel nach den beiden Grundgewichten zu suchen.

Andreas Wagener hatte seinen Suchtauchgang gerade beendet und die Einsatzstelle an seine Ablösung übergeben, als von der zweiten Tauchstelle Unregelmäßigkeiten an den Taucheinsatzführer gemeldet wurden. Der dort unter Wasser arbeitende Taucher reagierte nicht mehr auf die Signale, die ihm sein Signalmann gab. Wagener war als Taucher noch im Wasser und „nur“ 15 Meter von der anderen Einsatzstelle entfernt. Er übernahm nach Rücksprache mit dem Taucheinsatzführer kurzerhand den Auftrag, unter Wasser nach dem nicht reagierenden Taucher zu schauen. Die Sicht war aufgrund der bisher durchgeführten Arbeiten sehr schlecht und der erfahrene Einsatztaucher musste sich an der Signalleine bis zum nicht mehr reagierenden Tauchkameraden vortasten. Dort angekommen fand er ihn bereits leblos im Wasser treibend vor. Der Lungenautomat (Luftversorgung) hing an der Seite herab. Der Taucher wurde von seiner eigenen Signalleine unter Wasser gehalten, die sich in der Kette des Grundgewichts verhakt hatte. Andreas Wagener löste die Signalleine vom Taucher und brachte den leblosen Körper zur Oberfläche. An Land zeigte sich, dass der verunfallte Kamerad einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatte. Die Kameraden begannen sofort mit der Reanimation. Bereits nach wenigen Sekunden war diese erfolgreich: Der verunfallte Kamerad begann wieder zu atmen, sein Herz schlug wieder. Nach einigen Minuten konnte er dann an den eintreffenden Notarzt übergeben werden.

Der verunfallte Taucher musste nach dem fast tödlichen Unfall „nur“ eine Woche im Krankenhaus bleiben. Er verdankt der schnellen Reaktion des Signalmanns und des Taucheinsatzführers, der prompten Verfügbarkeit des rettenden Einsatztauchers und der schnellen Rettung unter Wasser durch Andreas Wagener sein Leben. Hätte die Rettung nur wenige Minuten länger gedauert, hätte der Taucher vermutlich nicht überlebt oder zumindest bleibende Schäden zurückbehalten.

Thomas Tscheuschner, Neuss

Gleich zweimal wurde Thomas Tscheuschner im vergangenen Jahr auf Patroullienfahrten mit dem Rettungsboot „Rheinadler Neuss“ mit seinem Team zum Lebensretter für mehrere Personen, die in Höhe des Sandstrands „Himmelgeister Fähranleger“ in Not geraten waren. Tscheuschner engagiert sich innerhalb der DLRG insbesondere in der Bootsausbildung und aktiver Bootsführer. In dieser Funktion leistete er im langen Sommer 2018 weit mehr als 300 Einsatzstunden, in deren Rahmen es auch zu den Rettungen kam, für die er jetzt geehrt wurde.

Der erste „Fall“ ereignete sich am 8. Juli. Tscheuschner war als Bootsführer mit drei weiteren Kameraden auf Patroullienfahrt. Schon fast wieder am Ausgangspunkt angekommen sahen sie in Höhe des Sandstrandes am Himmelgeister Fähranleger drei Kinder, die durch Sog und Wellenschlag der Berufsschifffahrt ins tiefe Wasser gezogen wurden. Thomas Tscheuschner steuerte das Boot umgehend zur Unfallstelle und schickte den anwesenden Strömungsretter ins Wasser. Zwei Kinder konnten auf das Boot geholt werden, das dritte Kind wurde durch den Strömungsretter an Land gebracht. Nur zwei Wochen später, am 22. Juli, erlebte der erfahrene Wasserretter und Bootsführer aus Neuss ein Déjà-vu: An gleicher Stelle verunglückten zwei junge Frauen. Diesmal wurde der Unfall von der DLRG-Wache am linken Rheinufer bei Neuss-Uedesheim beobachtet. Tscheuschner besetzte sein Boot umgehend mit zwei Rettungsschwimmern und fuhr zur besagten Stelle am Himmelgeister Fähranleger. Die beiden Frauen wurden von Passanten bereits an Land gebracht worden, eine von ihnen war bewusstlos und musste von der Bootsmannschaft beatmet werden. Nach kurzer Zeit traf der Rettungsdienst ein und übernahm die Personen.

Über diese Rettungen hinaus musste Thomas Tscheuschner im vergangenen Jahr bei zahlreichen SEG-Einsätzen (Schnelle Einsatzgruppe) drei tragische Fälle begleiten. Drei Personen konnten bei diesen Einsätzen nicht mehr gerettet werden. Gerade diese Einsätze, die nicht erfolgreich abgeschlossen werden können, sind für die Helferinnen und Helfer eine extreme psychische Belastung.

Rolf Zieschang, Duisburg

Für seine Verdienste um die Taucheinsatzgruppe Duisburg und die besondere Förderung von Frauen im Bereich Rettungstauchen wurde Rolf Zieschang mit dem „Lebensrettungs-Award“ geehrt. Er gründete 1980 die Taucheinsatzgruppe und ist seit vielen Jahren als Tauchlehrer im Landesverband Nordrhein aktiv.

In der gewohnt peniblen Arbeitsweise eines Ingenieurs baute Rolf Zieschang die Tauchgruppe in Duisburg auf und ist als Bezirkstauchreferent ein wesentlicher Bestandteil der DLRG im Bezirk Duisburg. Die von Zieschang gegründete Tauchgruppe wird heute von drei Ortsgruppen mit Personal bestückt und ist zu einer festen Institution im Bezirk herangewachsen. Im LV Nordrhein arbeitet er federführend an der Ausbildungsregion Nord mit. Durch die regionale Ausbildungsstruktur konnte die Ausbildung in örtlichen Gewässern in all ihren Aufgaben geübt oder Szenarien nachgestellt werden. Hieraus entstanden gute Kontakte zu den Feuerwehren und den kommunalen Behörden, die für die jeweiligen Gewässer zuständig waren.

Raphael Eck, Essen

Raphael Eck ist seit vielen Jahren im Jugend-Einsatz-Team (JET) im Bezirk Essen aktiv. Angefangen hatte er selbst als Mitglied des JET, ist ihm treu geblieben und Teamer geworden. Das Jugend-Einsatz-Team in Essen ist eines der ältesten im LV Nordrhein. Seit vielen Jahren ist das sehr erfolgreiche Team ein Garant für gute Jugendarbeit und qualifizierten Nachwuchs für den Einsatzbereich in Essen.

Ende 2015 stand das Essener JET abrupt ohne Leitung da, weil die bisherigen Leitungen kurzfristig ihr Engagement beendet hatten. Das über Jahre aufgebaute Team drohte innerhalb von Wochen zusammenzubrechen. Raphael Eck, damals als Teamer tätig, wollte die Erfolgsgeschichte nicht einfach so enden lassen. Zusammen mit der Leitung Einsatz und dem Jugendvorstand überlegte sich Raphael, wie und mit welchem Team das JET weitergeführt werden kann. Er erklärte sich bereit, die Leitung selbst zu übernehmen und sich direkt den teilweise kritischen Fragen der Eltern zu stellen. Sowohl die Eltern als auch den Vorstand konnte Raphael von seinen Ideen überzeugen. Innerhalb des folgenden Jahres wuchs die Mitgliederzahl des Essener JET auf eine vorher nie dagewesene Größe. Zum ersten Mal musste eine Warteliste erstellt werden. Mittlerweile ist das JET unter seiner Leitung in Essen mit über 25 Kindern größer als je zuvor.

Raphael liebt die Jugendarbeit. Er brennt für das JET und lässt sich auch unter widrigen Umständen nicht aus der Ruhe bringen. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Essener JET so erfolgreich dasteht, wie es jetzt auftritt. Für seine Berufswahl war sein Engagement in der Essener Jugendarbeit sicherlich nicht unerheblich. Raphael studiert aktuell Soziale Arbeit in Dortmund. Auch nach dem Studium will er sich weiter der Jugendarbeit in Essen widmen. Neben seinem außerordentlichen Engagement im Essener JET ist Raphael auch regelmäßig im Wasserrettungsdienst tätig.

Christian van de Laak, Geldern

Christian van de Laak ist seit der Gründung des Bootstrupps der Ortsgruppe Geldern-Walbeck im Einsatzbereich aktiv. Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit bei der Werksfeuerwehr eines großen Unternehmens hat er zum einen auch einiges an Know-How innerhalb der DLRG einbringen können, zum anderen jedoch auch viel Zeit in sein Ehrenamt gesteckt. Nach einigen Jahren als stellvertretender LeiterEinsatz übernahm er dieses Ressort 2018 als Leiter. Im Januar 2017 haben die Verantwortlichen der OG die Schlüssel zur ersten eigenen Unterkunft übergeben bekommen. Davor war der Umbau etwa neun Monate lang in Eigenarbeit gestemmt worden. In dieser Zeit hat van de Laak etwa 400 Arbeitsstunden investiert und sich überaus stark in der Art eines Bauherrn engagiert. Sehr zu bewundern ist, dass er sich nicht nur um den Umbau gekümmert hat, sondern den Bereich Wasserrettungsdienst, Katastrophenschutz und Sanitätsdienste weiterhin alles organisiert, alle Helfer als Team zusammengehalten und weiter motiviert hat.

Die Einnahmen im Bereich Einsatz wurden seit der Mitwirkung von Christian van de Laak deutlich verbessert und haben damit einen großen Anteil an der soliden finanziellen Situation der OG. Christian van de Laak hat den Nachwuchs motiviert, im Bereich Einsatz Mitarbeiter gefunden, die ein JET-Team gegründet haben und ist auch über die OG hinaus im Bereich Wasserrettung und Katastrophenschutz aktiv. Darüber hinaus engagiert sich der 32-Jährige auch in den Ausbildungsstunden im Hallenbad und bei Organisation von Events wie dem 24-Stunden-Schwimmen.

Britta & Frank Bucher, Sankt Augustin

Britta und Frank Bucher sind – jeder für sich – aber vor allem auch gemeinsam ein großer Gewinn für die DLRG in Sankt Augustin und Vorbilder für viele andere engagierte Mitglieder. Beide sind wahre Alleskönner und geben viel für und um die Menschen im Rhein-Sieg-Kreis. Sie sind Rettungsschwimmer, Motivatoren, Taucher, Kursleiter, Bootsführer, Problemlöser und Wachführer. Sie bringen sich ein als Taucheinsatzführer, Organisatoren, Luftretter, Sanitäter, Katastrophenschutz-Ausbilder und noch vieles mehr. So organisieren sie zum Beispiel auch das jährliche 24-Stunden-Schwimmen in Sankt Augustin.

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft wirkt das Paar seit fast 20 Jahren in der öffentlichen Gefahrenabwehr im Rhein-Sieg-Kreis mit. Dabei bergen sie nach eigener Aussage am liebsten Fahrzeuge aus dem Wasser. Auch am beliebten Rursee sind sie nicht nur in der Wasserrettung tätig, sondern auch in der Landrettung aktiv. Ihr selbstloser Einsatz ist sowohl an der Küste als auch an Binnengewässern gefragt und lebensnotwendig: Während ihrer Wachdienste haben Britta und Frank bereits mehreren Menschen das Leben retten können. Britta Bucher und Frank Bucher sind tragende Säulen der OG St. Augustin, des Bezirks Rhein-Sieg und des Landesverbandes Nordrhein. Britta trat vor 31 Jahren in die DLRG ein (Düren) und engagiert sich seit 1990 in St. Augustin. Frank ist seit 35 Jahren DLRG-Mitglied und vor seinem Wechsel nach St. Augustin in Bockhorn als Taucher und Rettungsschwimmer aktiv.

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Von: Webmaster

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